Seit Einrichtung der Luftrettungsstaffel Bayern e.V.
zählen
die Aktivitäten zur Aus- und Weiterbildung des eigenen und
zugewiesenen
Personals zu den Hauptaufgaben der Staffel. Fanden die ersten
Lehrgänge
im Auftrag des Staatsministerium des Innern noch sehr sporadisch statt
und hatten einen ersten Schwerpunkt in der Intensiv-Vorbereitung auf
die
Olympischen Spiele 1972 in München, so hat sich dies bis zum
heutigen
Tag grundlegend geändert. In nunmehr über zwanzig
Grundausbildungs-
und neun zentralen Fortbildungslehrgängen an der Staatlichen
Feuerwehrschule
Würzburg wurde eine Mannschaft von engagierten, kompetenten und
einsatzfähigen
Luftbeobachtern ausgebildet, die den gestellten Aufgaben gerecht werden
kann. In vielen örtlichen Übungen in Zusammenarbeit mit den
verschiedensten
Katastrophenschutz-Dienststellen und in staffelinternen Lehrgängen
liegen weiter Gründe, warum die Luftrettungsstaffel Bayern,
zusammen
mit ihren Luftbeobachtern aus den verschiedensten Behörden eine
stets
einsatzbereite und effektive Mannschaft stellen kann. Bei vielen
Schadensereignissen
in der Vergangenheit, vom Waldbrand bis zum Windbruch von der
vorbeugenden
Waldbrandüberwachung bis zum Gewässer- und Umweltschutz, von
der Schadensdokumentation bis hin zur Lawinenkontrolle, konnte die
Staffel
alle Herausforderungen erfolgreich bestehen.
Ohne die gründliche und umfassende Schulung des
eingesetzten Personals wäre und ist dies nicht möglich.
Schulungen der eigenen Führungskräfte
In der Schulung eigener Nachwuchs- und
Führungskräfte
greift die Staffel seit ihrem Bestehen auf den großen
Erfahrungsschatz
ihres eigenen Personals zurück. Da viele ihrer
Flugbereitschaftsleiter
und Piloten auf entsprechende dienstliche Erfahrungen
zurückgreifen
können, sich darüber hinaus auch fliegerisch qualifiziert
haben,
wird so das Grundpotential für Aus- und
Weiterbildungsmaßnahmen
aus den eigenen Reihen gedeckt. Durch die Unterstützung des
Innenministeriums
werden in regelmäßigen Abständen zentrale
Lehrgänge
für Stützpunktleiter und Ausbildungspersonal an der
Staatlichen
Feuerwehrschule Geretsried abgehalten. So fand im Jahr 2009 bereits
der 17. Lehrgang erfolgreich statt.

Neben der Erfüllung der satzungsmäßig vorgeschriebenen Aufgaben, Einblicke in die Strukturen der Staffel, des behördlichen Katastrophenschutzes, weiterer Hilfsorganisationen und in die Tätigkeitsgebiete der Staffel, erfährt die Schulung der Mitarbeiter eine Ausweitung durch gezielte Einbeziehung weiterer kompetenter Fachreferenten aus bayerischen Ministerien, den Luftämtern, der Deutschen Flugsicherung, der Staatlichen Feuerwehrschulen, des Deutschen Wetterdienstes und weiterer Katastrophenschutzorganisationen. Darüber hinaus kommen Fachvertreter des Natur- und Landschaftsschutzes, des Forstes und der Forstdirektionen, der Wasserwirtschaftsämter und nicht zuletzt auch Juristen und Psychologen als Lehrpersonal zum Einsatz.

So geschult und mit den notwendigen Kompetenzen versehen, kann das Ausbildungs- und Führungspersonal der Staffel überzeugend deren Ziele und Aufgaben verwirklichen. Die Katastrophenschutzbehörden sowie alle mitwirkenden Dienste und Organisationen können sicher sein, in der Luftrettungsstaffel Bayern einen einsatzbereiten, in allen Ebenen gut geführten Partner, zu besitzen.
Ausbildung von Flugbeobachtern
Vorausschauend und aus Erfahrung in anderen
Ländern
lernend, erkannte man in Bayern sehr früh, dass bei
großflächigen
Katastrophen und Unglücksfällen wirksame Hilfe nur dann
geleistet
werden kann, wenn das Schadensausmaß in seinem vollen Umfang
möglichst
frühzeitig erkannt wird. Sehr bald gelangte man zur Einsicht, dass
dies mit am besten durch Beobachtung aus der Luft, entsprechendes
Fachpersonal
vorausgesetzt, erfolgen könnte.
Aus diesem Grunde wurden in enger Zusammenarbeit mit
der Polizei, dem Katastrophenschutz und den Feuerwehren einwöchige
Lehrgänge für zukünftige Beobachtungskräfte
durchgeführt.
Zielvorgaben des Ministeriums, gewonnene Erfahrungen aus den ersten
Lehrgängen,
Erkenntnisse aus Waldbrand- und Gewässerschäden, ließen
ein Ausbildungskonzept entstehen, das auch technische und gesetzliche
Neuerung
mit einbezieht, und als äußerst erfolgreich und effizient
eingestuft
werden kann:
Ausbildungsstufe 1: Zentrale Grundausbildung
Nach Bedarf der jeweiligen Bezirksregierungen für
Luftbeobachter schreibt die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg
fünftägige
Grundausbildungslehrgänge im Auftrag des Innenministeriums aus.
Angehörige
der Katastrophenschutzbehörden, der Freiwilligen Feuerwehren, der
Berufsfeuerwehren sowie der Forstbehörden und Landratsämter
und
des Technischen Hilfswerkes können sich für diesen
einwöchigen
Lehrgang nach Würzburg bewerben.
Da für alle Teilnehmer, unabhängig von ihren
dienstlichen Herkunft eine Wissensbasis herbeigeführt werden soll,
werden sie bei diesem Lehrgang nicht nur mit der Organisation des
Katastrophenschutzes
im Freistaat Bayern und den entsprechenden Rechtsgrundlagen vertraut
gemacht,
sondern müssen sich darüber hinaus auch mit der
Sprechfunkausbildung
für den BOS-Funk und dessen technischen Gegebenheiten
auseinandersetzen
und in Theorie und Praxis für die entsprechende schriftliche und
praktische
Prüfungen vorbereitet werden. Während man auf dem Gebiet des
Funks bei vielen Teilnehmern noch auf vorhandenes Grundwissen
zurückgreifen
kann, betreten sie mit der Fliegerei und dem Einsatzort Flugzeug in der
Regel Neuland.

Schon aus Unfallverhütungsgründen ist es daher zwingend erforderlich, sie mit den Besonderheiten des Verhaltens auf dem Flugplatz und in den Luftfahrzeugen ( Flächenflugzeugen und Hubschrauber) vertraut zu machen. Nicht nur zur Beseitigung der Flugangst, sondern auch um Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzgerätes Flugzeug kennen zu lernen, stehen die physikalischen Voraussetzungen des Fliegers ebenso auf dem Lehrplan, wie das Kennenlernen wichtiger Flugzeuginstrumente, deren richtige Interpretation Auswirkung auf die Navigation und, luftrechtlich bedingt, auch auf den Flugweg haben können. Ein Vertreter des Luftamtes führt die angehenden Luftbeobachter in die Struktur der Lufträume ein, und es bleibt ihnen nicht erspart, in Fach Meteorologie neben der Einschätzung gefährlicher Wetterlagen auch den Zusammenhang zwischen den meteorologischen Voraussetzungen und der Benützung bestimmter Lufträume zu erarbeiten. Nur so ist der Luftbeobachter in der Lage, wetterbedingte Erscheinungen und deren Einflüsse auf die Routenführung eines Beobachtungs- oder Einsatzfluges, zusammen mit dem Piloten, zu diskutieren und sach- und situationsgerecht zu entscheiden.

Feuerwehrtaktische Zeichen und deren Anwendung in
der
Praxis, das Kennenlernen von Waldbrandarten und Möglichkeiten der
effektiven Waldbrandbekämpfung sowie der gezielte Einsatz von
Löschwasseraußenlastbehälter
gehören ebenso zum Unterrichtsstoff, wie das Wissen über die
Bezeichnung von Löschfahrzeugen und deren Ausrüstung.
Auf dem Flugplatz des Stützpunktes Hettstadt wird
dann der praktische Teil des Lehrgangs abgewickelt, bei dem jeder
Luftbeobachter
in mehreren Flügen an die Arbeit in Flächenflugzeugen der
Luftrettungsstaffel
und in Hubschraubern der Polizeihubschrauberstaffel herangeführt
wird.

Navigationsarbeit mit verschiedenen Karten, Erkennen
und
Auswerten von Schadensstellen, Festlegen und Übermitteln von
Koordinatenangaben,
Dokumentation von Schadensereignissen mit der Polariod-Kamera und die
sachgerechte
Übermittlung aller Daten über BOS-Funk erfordern höchste
Konzentration und vollen Einsatz aller Lehrgangsteilnehmer.
Mit einer theoretischen und praktischen
Abschlussprüfung
endet dieser Grundlehrgang und entlässt seine Teilnehmer mit einem
Basiskönnen, das sie für die Lösung neuer schwierigerer
Aufgaben, allerdings in heimatlichem Gebiet, befähigt.
Ausbildungsstufe 2: Dezentrale Weiterbildung
Gerüstet mit dem Wisssen und Können der
Ausbildungsstaufe
1 gilt es jetzt, den Luftbeobachter mit den geographischen
Gegebenheiten
seines Einsatzgebietes, mit den regionalen Luftraumstrukturen und nicht
zuletzt mit den Einsatzpiloten seines Stützpunktes und dessen
Einrichtungen
vertraut zu machen. In jährlichen Übungen, im Wechsel
zwischen
den einzelnen Stützpunkten eines Regierungsbezirks oder zentral
zusammengefasst,
werden die Luftbeobachter zielgerichtet, einsatznah weitergebildet. Neu
ausgebildeten Luftbeobachtern wird die Gelegenheit gegeben, von den
Erfahrungen
ihrer einsatzerfahrenen Kameradinnen und Kameraden zu profitieren,
erworbene
Kentnisse und Fertigkeiten aufzufrischen und Praxiserfahrung zu sammeln.
Wechselnde Schwerpunktsetzung z. B. führen von
Fahrzeugen
aus der Luft in unübersichtlichen Waldgebieten mit und ohne Funk,
intensiver Umgang mit der UTM-Gitternetzkarte 1:50 000, erkunden von
Schadensereignissen
und entsprechende Dokumentierung, Erprobung vorgegebener Flugrouten
für
die vorbeugende Waldbrandüberwachung, vertiefen das Können
von
Beobachter und Piloten.

Die ständige Schulung auf den Lehrgängen der Luftrettungsstaffel an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried und der breite Erfahrungsaustausch der Stützpunktleiter und des Ausbildungspersonals, die zusammen mit den Flugbereitschaftsleitern für diese Übungen zuständig sind, gewährleisten die bayernweite Einheitlichkeit und das Anspruchsniveau dieser Ausbildungsstufe.
Ausbildungsstufe 3: Zentraler Aufbaulehrgang
Ausgestattet mit den Erfahrungen des Einsatzes, der
Aus-
und Weiterbildung, werden die Luftbeobachter nach ca. fünf Jahren
wieder zu einem zentralen Aufbaulehrgang an der Staatliche
Feuerwehrschule
Würzburg einberufen.
Bei diesem Lehrgang spielt die Auffrischung von
theoretischem Grundwissen selbstverständlich eine wichtige Rolle,
doch der Schwerpunkt ist auf das Vermitteln neuer Erkenntnisse in Bezug
auf den Einsatz im Katastrophenfall abgestimmt. Um beiden
Ansprüchen
gerecht zu werden, musste der ehemals viertägige Lehrgang auf
einen
Wochenlehrgang erweitert werden. Der Einfluss neuer Technologien auf
Kartenarbeit
und Navigation (GPS), sowie der Einsatz rechnergestützter
Datenübermittlungssysteme
finden ebenso Eingang in die Aufgaben der Praxis, wie der sachgerechte
Einsatz des hubschraubergebundenen Außenlastbehälters und
der
damit verbundenen flugtechnischen Gegebenheiten.
Dementsprechend breit sind die zu lösenden
praktischen
Aufgaben gefasst. Bei vier Flügen muss jeder Teilnehmer sein
Können
ernstfallnah beweisen:

Während eines Fluges zur vorbeugenden Waldbrandüberwachung entdeckt der Flugbeobachter einen "Waldbrand" in einem geschlossenen Waldgebiet, von dem er der Einsatzleitung über Funk unverzüglich alle wesentlichen Schadensdaten übermitteln muss. Es ist wichtig, dass die Einsatzleitung einen genauen Bericht über Lage, Ausdehnung, Zugrichtung und Intensität des Feuers, sowie den Gefährdungsgrad vom Baumbestand her, erhält. Da sich in der Nähe des Schadensgebietes erst eine örtliche Einsatzleitung bildet, mit der noch kein Funkkontakt möglich ist, muss der Luftbeobachter die Polaroid-Aufnahme vom Schadensereignis und eine entsprechende Meldeskizze, auf der auch die erkundeten Wasserentnahmestellen eingezeichnet sind, in einem entsprechenden Abwurfbehälter der Einsatzleitung "übermitteln". Anschließend muss er per Funk die alarmierten Feuerwehren zum Brandort lotsen. Das Eintreffen dort bestätigt die korrekte Erfüllung des Auftrags. Während sich die zweite Aufgabe ebenfalls mit der Materie Waldbrand in ähnlicher Variation beschäftigt, wird bei der dritten Aufgabe angenommen, dass es zu einem Gewässerschadensfall gekommen ist. Das Main-Hochwasser hat Menschen und Verkehrseinrichtungen gefährdet; darüberhinaus sind aufgrund aufschwimmender Öltanks erhebliche Ölschäden aufgetreten, die es zu orten und zu melden gilt. Die vierte Aufgabe beinhaltet den Hubschrauber in seiner ganzen Verwendungsbreite. Neben zu lösenden Navigationsproblemen muss der Luftbeobachter Wasserentnahmestellen für Außenlastbehälter erkunden, mögliche Wasserzwischenlager situationsgerecht einrichten lassen und nötigenfalls auf der Bord-Bord-Frequenz den Hubschrauber mittels eines Flächenflugzeuges zu den jeweiligen Einsatzstellen lotsen.

Für die nicht im Einsatz befindlichen
Flugbeobachter
gibt es bei auch dieser Fortbildung keine Zwischenpause. Sie sind auf
dem
Flugplatz Hettstadt mit dem Aufbau und der Führung der zentralen
Einsatzleitung
beschäftigt. Dazu gehört die Aufzeichnung des gesamten
Funkverkehrs,
die Führung einer Lagekarte, sowie die Ausarbeitung und
Übermittlung
entsprechender Einsatzauftäge. Wichtig ist auch die Koordination
zwischen
der Einsatzleitung und der Flugleitung für die eingesetzten
Flugzeuge.
Eine Überprüfung des dreistufigen
Ausbildungskonzepts
durch das Innenministerium und die Bezirksregierungen hat die
Richtigkeit
des eingeschlagenen Weges eindrucksvoll bestätigt. Die
Luftrettungsstaffel
Bayern e.V. konnte aufgrund der Teamarbeit mit den Luftbeobachtern in
der
Vergangenheit große Erfolge erzielen und wurde so zu einer
schlagkräftigen,
einsatzbereiten Katastrophenschutz-Organisation, die es in keinem
anderen
Bundesland in ähnlich effektiver Form gibt. Der besondere Dank der
Staffel sei an dieser Stelle den Staatlichen Feuerwehrschulen
Geretsried
und Würzburg für die hervorragende und erfolgreiche
Zusammenarbeit
ausgesprochen.